Ergebnisse zum Sonderthema "Kulturelle Vielfalt"

Deutschland sieht sich als weltoffenes Land

Drei Viertel der Deutschen sehen Deutschland als ein weltoffenes und tolerantes Land. Befragte mit Migrationshintergrund stimmen dieser Aussage sogar zu 80% zu.

Ist Deutschland ein weltoffenes und tolerantes Land?
  • Gesamt
  • Migrationshintergrund
Hinweis: Die fehlenden 6 bzw. 4% ergeben sich aus der Antwort „keine Angabe“.

Toleranz gegenüber dem Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen

Knapp zwei Drittel der Deutschen sind tolerant im Umgang mit Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen. Lediglich eine Minderheit von 15% steht der kulturellen Vielfalt in Deutschland skeptisch bis ablehnend gegenüber. Auch wenn dieser Anteil insgesamt gering ist, so ist er aus gesellschaftlicher Sicht durchaus relevant und nicht zu unterschätzen.

4 Toleranztypen in Bezug auf das Zusammenleben verschiedener Kulturen in Deutschland:

Besonders tolerant(41 bis 51 Punkte)

 
 

35%

Tolerant(31 bis 40 Punkte)

 
 

30%

Etwas tolerant(21 bis 30 Punkte)

 
 

19%

Wenig tolerant(1 bis 20 Punkte)

 
 

15%

Hinweis: Abweichung zu 100% gesamt basiert auf „keine Angabe“ einzelner Befragter.
Herleitung der 4 Toleranztypen: Die Befragten bewerteten eine Vielzahl von Einstellungsitems zum Thema „kulturelle Vielfalt“ auf einer vierstufigen Skala von „stimme voll zu“ bis „stimme gar nicht zu“. Für die Antworten wurden jeweils 0 bis 3 Punkte vergeben. Aus der Summe der Punkte sämtlicher Aussagen wurden vier Einstellungstypen ermittelt.

Was zeichnet besonders tolerante Menschen aus?

Die Betrachtung soziodemographischer Merkmale zeigt, dass in puncto kulturelle Offenheit besonders tolerante Menschen (35% aller Befragten) weitgehend dem Durchschnitt der deutschen Bevölkerung entsprechen. Tendenziell haben besonders tolerante Menschen jedoch einen höheren Schulabschluss und wohnen eher in größeren Städten.

Besonders Tolerante

Besonders Tolerante (Durchschnittsalter 46 Jahre)

Gesamtbevölkerung

Gesamtbevölkerung (Durchschnittsalter 50 Jahre)

Geschlecht
GESCHLECHT
Frauen
51%
 
 
 
 
52%
Männer
49%
 
 
 
 
48%
Schulabschluss
SCHULABSCHLUSS
Hauptschulabschluss
27%
 
 
 
 
40%
Realschulabschluss
27%
 
 
 
 
29%
Gymnasium
46%
 
 
 
 
30%
Gemeindegrösse
GEMEINDEGRÖSSE
Unter 5.000
16%
 
 
 
 
22%
Bis unter 100.000
53%
 
 
 
 
50%
100.000 und mehr Einwohner
30%
 
 
 
 
24%

Befürwortung der Willkommenskultur – bei der Umsetzung hapert es aber

65% der Deutschen betrachten die kulturelle Vielfalt als persönliche und gesellschaftliche Bereicherung. Auch die Notwendigkeit der Schaffung eines Umfeldes, in dem sich Menschen mit ausländischen Wurzeln gut einfinden können, wird von fast 80% erwünscht. Die Bereitschaft zum persönlichen Engagement in der Freizeit ist dagegen eher gering ausgeprägt.

Einstellungen gegenüber kultureller Vielfalt in Deutschland:

Es ist wichtig, in Deutschland ein Umfeld zu schaffen, damit sich Menschen mit ausländischen Wurzeln hier wohlfühlen und schnell integrieren können.

79%

99%

78%

47%

23%

Deutschland wäre ohne Menschen mit ausländischen Wurzeln weniger interessant.

65%

91%

68%

47%

18%

Die Vielfalt der Kulturen aus verschiedenen Herkunftsländern in Deutschland ist für mich persönlich eine Bereicherung.

65%

99%

73%

39%

4%

Ich wäre bereit, in meiner Freizeit einen konkreten persönlichen Beitrag zu leisten, damit sich Menschen mit ausländischen Wurzeln schnell in Deutschland integrieren können.

52%

86%

54%

28%

4%

Kulturelle Offenheit beeinflusst die persönliche Lebenszufriedenheit

Je toleranter ein Mensch ist, desto zufriedener ist er mit seinem Leben. Daraus lässt sich zwar keine direkte Kausalität ableiten, es besteht jedoch ein sichtbarer Zusammenhang. So geben 38% der besonders toleranten Menschen an, sie wären in hohem Maße mit ihrem Leben zufrieden (Wert 9 oder 10 auf der Glücksskala von 0 bis 10). Bei der Gruppe der wenig toleranten Menschen sind es nur 16%, die entsprechende Top-Bewertungen auf der elfstufigen Zufriedenheitsskala abgeben. Der Durchschnitt der Deutschen liegt hier bei 30%.

Anteil der Personen, die eine 9 oder 10 auf der Zufriedenheitsskala von 0 bis 10 angegeben haben:

30%

Deutschland insgesamt

Top-Lebenszufriedenheiten nach 4 Toleranztypen:

38%

Besonders tolerante Menschen

30%

Tolerante Menschen

26%

Etwas tolerante Menschen

16%

Weniger tolerante Menschen

Kulturelle Offenheit am Arbeitsplatz – bereits gelebte Realität

80% der Deutschen arbeiten gerne mit Kollegen aus unterschiedlichen Herkunftsländern zusammen. Für die meisten ist es auch kein Problem an ihrem Arbeitsplatz Englisch zu sprechen, um die Zusammenarbeit mit fremdsprachigen Kollegen zu ermöglichen.

84%

Ja, ich wäre bereit, bei der Arbeit Englisch zu sprechen, wenn einige meiner Kollegen noch kein Deutsch können.

80%

Ja, ich arbeite gerne mit Kollegen aus unterschiedlichen Herkunftsländern zusammen.

Kulturelle Vielfalt in der Nachbarschaft – nur mit Einschränkungen erwünscht

Im privaten Raum ist die positive Grundhaltung gegenüber Zuwanderern weniger stark ausgeprägt. Trotz der überwiegend positiven Einstellung zu einer internationalen Nachbarschaft, bleibt ein nicht zu unterschätzender Teil der Befragten am Wohnort lieber unter „seinesgleichen“.

Insgesamt bewerten immerhin 27% der Deutschen das Zusammenleben in einer multikulturellen Nachbarschaft als nicht unbedingt erstrebenswert; 6% trauen sich in Sachen multikulturelle Nachbarschaft erst gar keine Aussage zu.

Ich lebe gerne in einer Nachbarschaft, in der viele Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern und Kulturkreisen leben.

Die Vorteile überwiegen – kritischere Einstellungen gegenüber kultureller Vielfalt im Osten

Die Ergebnisse zeigen grundsätzlich, dass das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen aus Sicht der Deutschen mehrheitlich mit mehr Vor- als Nachteilen verbunden wird. Im Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland werden jedoch deutliche Einstellungsunterschiede sichtbar.

Die Menschen in Ostdeutschland sehen in der Zuwanderung deutlich weniger Vorteile, als die Westdeutschen. Hier klafft eine Lücke von 12% zwischen Ost- und Westdeutschland. Bei der wahrgenommenen Vielfalt durch Einwanderung beträgt der Unterschied zwischen Ost und West sogar 14%.

Einstellungen gegenüber kultureller Vielfalt im Ost-West-Vergleich:

Westen

Westen

Osten

Osten

Einheimische und Menschen mit ausländischen Wurzeln können im Alltag viel voneinander lernen.
87%
 
 
 
 
80%
Wenn ich im Alltag einen Menschen aus einem anderen Land kennenlerne, bin ich ihm gegenüber genauso offen eingestellt, wie wenn ich einen Einheimischen aus Deutschland kennenlerne.
85%
 
 
 
 
79%
Es ist selbstverständlich, dass die freie Ausübung jeder Religion in Deutschland für jeden möglich ist.
76%
 
 
 
 
66%
Ich finde es gut, dass Deutschland durch die Einwanderung von Menschen aus dem Ausland vielfältiger wird.
70%
 
 
 
 
56%
Alles in allem hat das Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern und Kulturkreisen in Deutschland mehr Vorteile als Nachteile.
64%
 
 
 
 
52%

Ambivalente Beurteilung des Zusammenlebens verschiedener Kulturen

Neben allen positiven Einstellungen zur Einwanderung im Allgemeinen, ziehen die Deutschen bisher eine eher durchwachsene Bilanz des multikulturellen Zusammenlebens. Das Bild des grundsätzlich weltoffenen Deutschlands ist somit nicht ungetrübt und gestaltet sich besonders im Osten problematisch, wo das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen mehrheitlich eher negativ gesehen wird.

Wie beurteilen Sie das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen in Deutschland bis heute?
  • Gesamt
  • Westen
  • Osten
51%
54%
35%

Sehr gut/Gut

44%
42%
58%

Weniger gut/Schlecht

Hinweis: Die Abweichungen zu 100% der drei Teilgruppen (Gesamt, Osten und Westen) ergeben sich aus der Antwortkategorie „keine Angabe“.

Begrenzte Bereitschaft individuellen Beitrag zur Integration zu leisten

Zuwanderung und Internationalität werden in Deutschland befürwortet und die Notwendigkeit einer Kultur der Integration ist aus Sicht der Mehrheit der Deutschen unbestritten. Zum persönlichen Engagement erklärt sich jedoch lediglich die Hälfte der Deutschen bereit.

Ich wäre bereit, in meiner Freizeit einen konkreten persönlichen Beitrag zu leisten, damit sich Menschen mit ausländischen Wurzeln schnell in Deutschland integrieren können.

Junge Menschen haben eher Kontakt mit dem Thema Zuwanderung

Für gut die Hälfte der Deutschen ist der Austausch zwischen unterschiedlichen Kulturen bereits gelebte Realität. Besonders die 18 bis 24 Jährigen pflegen den Austausch mit Menschen ausländischen Wurzeln. 74% dieser Altersgruppe haben Freundschaften mit Menschen, die nicht in Deutschland geboren wurden. Ältere Menschen haben dagegen deutlich weniger Kontakt.

Haben Sie persönlich in Ihrem Freundeskreis Kontakt zu Personen, die nicht in Deutschland geboren wurden?

18 bis 24 Jahre

 
 

74%

Gesamt

 
 

57%

25 bis 34 Jahre

 
 

58%

35 bis 54 Jahre

 
 

60%

55 bis 64 Jahre

 
 

57%

65 Jahre und älter

 
 

44%

Kontakt vor allem in Westdeutschland und am Arbeitsplatz

Dort wo der Austausch mit Menschen ausländischer Herkunft aktiv gelebt wird, ist die Toleranz und Weltoffenheit am stärksten ausgeprägt. 61% der Deutschen haben an ihrem Arbeitsplatz regelmäßigen Kontakt mit Menschen mit Migrationshintergrund.
Es existiert ein sichtbares Ost-West Gefälle – deutlich weniger als die Hälfte der Ostdeutschen haben im beruflichen oder privaten Umfeld Kontakt mit Menschen aus anderen Kulturkreisen.

Kontakt mit Menschen aus anderen Kulturkreisen:

  • Gesamt
  • Westen
  • Osten
61%
66%
40%

... an Ihrem Arbeitsplatz

57%
61%
39%

... in Ihrem Freundeskreis

49%
54%
24%

... in Ihrer Nachbarschaft

33%
35%
24%

... in Ihrer Familie

Kontakt als Treiber der kulturellen Offenheit

Diejenigen mit Kontakt zu Menschen mit ausländischen Wurzeln stehen diesen deutlich positiver gegenüber. Die Vorteile einer bunten Gesellschaft treten also dort zutage, wo sie faktisch gelebt wird. Im Kontakt und positiven Miteinander liegt die große Chance, Zugangsbarrieren und mögliche Vorbehalte abzubauen.

Zustimmung zu der Aussage:
Das Zusammenleben verschiedener Kulturen bringt mehr Vorteile als Nachteile.

Menschen mit Kontakt

Menschen mit Kontakt

Menschen ohne Kontakt

Menschen ohne Kontakt

ARBEITSPLATZ
AM ARBEITSPLATZ
70%
 
 
 
 
51%
FREUNDESKREIS
IM FREUNDESKREIS
75%
 
 
 
 
44%
NACHBARSCHAFT
IN DER NACHBARSCHAFT
69%
 
 
 
 
55%
NACHBARSCHAFT
IN DER FAMILIE
69%
 
 
 
 
55%

Kulturelle Vielfalt als Treiber für Lebenszufriedenheit

Für knapp die Hälfte der Deutschen geht mit dem Zusammenleben verschiedener Kulturen in Deutschland eine Steigerung der persönlichen Lebenszufriedenheit einher. Lediglich eine Minderheit von 17% sieht ihre individuelle Lebenszufriedenheit durch Zuwanderung eher negativ beeinflusst.

Auswirkungen der kulturellen Vielfalt auf die persönliche Lebenszufriedenheit
40%

Eher positiv

41%

Weder noch/ Gar nicht

17%

Eher negativ

Hinweis: Die fehlenden 2% ergeben sich aus der Antwortkategorie „keine Angabe“.

Erkenntnisse der Studie:

Basis: Repräsentative Erhebung von n=1.001 Befragten in Deutschland; durchgeführt von dimap – Institut für Markt- und Politikforschung

Das diesjährige Schwerpunktthema des Deutsche Post Glücksatlas lautet „kulturelle Vielfalt“ und liefert interessante Erkenntnisse über die Auswirkungen des Zusammenlebens unterschiedlicher Nationen und Kulturen in Deutschland auf die Lebenszufriedenheit der Bevölkerung.

Im Kontext der andauernden und kontrovers geführten Ein- und Zuwanderungsdebatte ist ein erfreuliches und ermutigendes Ergebnis, dass Deutschland von der großen Mehrheit der Befragten grundsätzlich als tolerantes und weltoffenes Land wahrgenommen wird. Internationale Freundeskreise und kulturelle Vielfalt am Arbeitsplatz sind heute für mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung bereits gelebte Realität; insbesondere im Westen der Republik. Der Deutsche Post Glücksatlas 2016 belegt zudem, dass Zuwanderung für die meisten mit mehr Vorteilen als Nachteilen verbunden ist.

Trotz dem hohen Maß an kultureller Offenheit, fällt das Urteil über die erlebte Integration unterschiedlicher Kulturen in Deutschland bis dato jedoch eher nüchtern aus. So ist lediglich die Hälfte der Deutschen der Auffassung, das Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen habe bisher gut funktioniert.

Besonders in den ostdeutschen Regionen sind die Einstellungen zum multikulturellen Zusammenleben eher reserviert bis kritisch. Auch ist lediglich gut die Hälfte der Deutschen – in Ostdeutschland gar nur ein Drittel – dazu bereit, aktiv einen Beitrag zum Gelingen der Integration verschiedener Kulturen zu leisten.

Personen mit Kontakt zu Einwanderern stehen der kulturellen Vielfalt deutlich positiver gegenüber als jene, die nur wenig oder bis dato noch keine Berührungspunkte mit Menschen mit Migrationshintergrund haben.

Zudem belegt der diesjährige Glücksatlas, dass kulturelle Offenheit und die persönliche Lebenszufriedenheit miteinander in Beziehung stehen. So sind Menschen mit einem ausgewiesen höheren Maß an kultureller Offenheit deutlich zufriedener mit ihrem Leben als die Gruppe derer, die das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen in Deutschland kritisch beurteilt.